So, wie es bei meinen Charakteren den Blutengel gibt, habe ich jetzt auch den Aschenengel...
Das Wort kam mir einfach in den Sinn.
Der Cherub aus der Asche.
Eine Erklärung wohl für den Namen einer meiner eher ungewöhnlichen Charaktere.
Ist schon lange her, dass ich ein Gedicht geschrieben habe - egal ob wirklich reimend oder in freien Versen.
Kritik wird gern gesehen - ich will immerhin auch besser werden.
Das Gedicht 'Aschenengel' beginnt bereits sehr stark mit der gegensätzlichen Bewegung aus Aufstieg und Fall, wobei der Aufstieg aus der Asche hier nicht das Gegenteil des Todes ist. Es handelt sich zwar um eine Art 'Leben' aber ein verdrehtes, krankes, begleitet von Wahnsinn und Blut. Man beachte auch 'Für tot erklärt'. Nicht tot, sondern für tot erklärt, was fast noch grausamer ist. So verachtet das man ihn für nicht mehr lebendig, nicht mehr lebenswert erachtet.
Es folgt das geschickte Spiel mit der Wiederholung, die durch eine Geringfügige Änderung eine komplett andere Bedeutung bekommt: Ist mein Name, war mein Name. Ein Name ist ein wichtiges Teil der Selbstwahrnehmung und hier ein gutes Symbol dafür wie der Engel ein Teil seines selbst verliert. Selbst die Erinnerung an den Himmel, nicht nur seinen Platz dort, sondern selbst die Erinnerung an schönere Zeiten im Himmel wird ihm genommen. Und nicht zuletzt die Unschuld. Er verwandelt sich von Erzengel und Wächter in den Cherub aus der Asche, den Aschenengel, in den beiden aufeinander folgenden Versen 5 und 6 wird das deutlich einander gegenüber gestellt.
Verführt wurde er von der Schlange: sie sprach nicht und vergiftete dann, nein ihre Worte selbst waren das Gift, die sie direkt in die Venen injiziert. Die Schlange flüsterte ihre falschen Versprechen // In meine Venen Wunderbar kombiniertes Wortbild. Am Ende wird dann die Schlange die den Engel verführte zu seiner Dienerin, so tief ist er gefallen.
Sehr beeindruckt hat mich auch dieses Wortbild:
Das Kreuz am Rücken gespalten,
Die Worte am Arm brennend,
Lodernd,
Lodernde Worte am Arm, einmalig. Ein besonderes Kleinod auch die Verwendung von 'Kreuz' das im Kontext auch an das klerikale Symbol der Christenheit denken lässt, das durch seine Spaltung erneut den Bruch mit dem Himmel symbolisiert.
Und dann noch ein neuer Aspekt: Der Aschenengel wird Rache nehmen und die Richterin schicken. Der Gefallene wird zum Rächer und Wegbahner des Rechts. Er bringt die Gerechtigkeit, der er auch selbst nicht entkommen wird. Vielleicht ist das dass, was von seiner Engelsseele übrig blieb: Der Wunsch nach Gerechtigkeit.
Fazit:
Ich für meinen Teil bin fasziniert. Von starken Metaphern, elegant gewobenen Wortbildern, geschickter Wortwahl und dem gemeinsamen Ganzen das sich daraus ergibt, das atmosphärisch düstere, intensive Bild des Aschenengels.
Klitzekleiner Abzug allein bei der Originalität, da der gefallene Engel eine sehr sehr alte Geschichte ist. Das wird aber durch die Originalität bei der Ausführung fast wieder wett gemacht.
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